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Warum sind Softwarepatente problematisch?

Eine Standartfrage bei jeder Aktion des FFII ist: "Können Sie mir Softwarepatente in drei Sätzen erklären?". Dieser Wunsch ist leider nicht erfüllbar, da die Abhängigkeiten einfach zu komplex für eine einfache Antwort sind. Hier der Versuch auf einer Seite die Probleme von Softwarepatenten zu erklären.

Viele denken, wenn sie das Wort Softwarepatent zum erstenmal hören, an etwas positives. Sie assozieren Softwarepatente mit "normalen" Patenten", die im Maschinenbau oder in der Pharmaindustrie die Unternehmen schützen, die forschen und viel Geld in neue Ideen und Produkte investieren. Aber die Assoziation hinkt. Im folgendem wird der Unterschied durch den Vergleich eines Softwarepatentes mit einem Pharmapatent herausgearbeitet.

Softwarepatent Pharmapatent
Ideensicherung Seit jeher ist Software durch das Urheberrecht geschützt. Dies hat sich seit vielen Jahren bewährt. Warum soll nun ein weiterer Schutzmechanismus via Softwarepatent eingeführt werden?

Neben dem Urheberrecht gibt einen weiteren Schutz für Software. Software wird normalerweise in binärer Form ausgeliefert. Die "Sources" bleiben beim Hersteller. Für eine dritte Partei ist das reverse Engineering des Know-hows ein zeitraubender Prozeß.
Eine Synthese für einen Wirkstoff kann nur via Patent geschützt werden. Es gibt keine anderen rechtlichen Mechanismen.
Recherche Viele Softwarepatente sind sehr allgemein und abstrakt gefasst. Es ist sehr schwer durch eine Recherche festzustellen, ob ein geplantes Projekt bestehende Patente verletzt. Damit wird Softwareentwicklung durch Softwarepatente zu einem Mienenfeld. Pharmapatente enthalten Strukturformeln, die in Datenbanken gespeichert werden. Durch eine Patentrecherche ist definitiv feststellbar, ob eine bestimmte chemische Struktur mit Patenten belegt ist.
Trivialpatente & Patentportfolios Charakteristisch für Softwarepatente ist bei manchen/ vielen die mangelnde Erfindungshöhe. Man bezeichnet diese daher als Trivialpatente. Des weiteren haben Softwarekonzerne große Patentportfolios sowie Patentaustauschabkommen mit anderen Konzernen. Dies hat zwei Konsequenzen: 1. Es gibt keine Patentklagen zwischen Konzernen. Ein Mittelständer hat dagegen kein Patentportfolio und kann sich so nicht schützen. 2. Die Trivialpatente entwerten die Softwarepatente, da sie keine echten Erfindungen schützen. Jede "größere" Software verletzt eine ganze Anzahl von Softwarepatenten. Sollte ein Mittelständler eine Idee in einer innovative Software durch ein Softwarepatent schützen, dann würde er feststellen, daß ein Konzern gegen sein einzelnes Patent ein ganzes Bündel von (Trivial)Patenten setzen kann. Softwarepatente dienen damit nicht dem Schutz von Ideen, sondern behindern Inovation. Normalerweise liegt bei einem Pharmapatent eine "Erfindungshöhe" vor. D. h. triviale oder altbekanntes lassen sich nicht patentieren.
Know-how Softwarepatente sind meist sehr allgemein gehalten, insbesondere die Implementierung fehlt. D.h. das Monopol wird genutzt, aber der Know-how Transfer an die Allgemeinheit fehlt. Bei einem "klassischen" Patent sind die Spielregeln einfach. Der Staat garantiert mit einem Patent den Schutz einer Idee. Dafür muß der Patentnehmer sein Know-how in der Patentschrift niederlegen und steht damit nach Ablauf der Allgemeinheit zur Verfügung. Damit behindern klassische Patente nicht die Forschung.
Laufzeit In der IT hat ein Softwareprodukt einen Lebenzyklus von eins bis drei Jahren. Softwarepatente sollen eine Dauer von 20 Jahren haben. Damit wären zwischen sieben und zwanzig Generationen eines Produktes vor Wettbewerbern geschützt. Die Entwicklung eines neues Pharmawirkstoffes dauert etwas über 10 Jahre. Hier ist eine Patentlaufzeit von 20 Jahren sinnvoll.
Art Softwarepatente schützen Ideen. Beispiel Motor im Auto. Ein Softwarpatent würde die Idee des Motor im Auto schützen. Damit kann kein Konkurrent mehr ein Auto mit Motor bauen, egal ob Otto-, Diesel oder Elektromotor. "Normale" Patente schützen eine Erfindung. Beispiel Ottomotor im Auto. Auch wenn der Ottomotor geschützt wäre, so könnte die Konkurrenz z.B. einen Dieselmotor verwenden. Die Konkurrenz wird nicht ausgeschaltet.
Zusammenfassung Die Konsequenz von Softwarepatenten ist die Abschottung des Softwaremarktes, die Behinderung der Forschung und des Mittelstandes sowie die Zerstörung der Open Source Bewegung (Die Kosten von Patentklagen sind Zahlen mit vielen Nullen. Geld das ein Open-Source-Entwickler nicht hat). Ziel von Pharmapatenten ist der Schutz von forschenden Unternehmen und Institutionen.